Wir befinden uns in Ottobrunn, das genau genommen nicht mal zum Stadtgebiet zählt. Diese Tatsache fällt aber nicht weiter ins Gewicht, denn die Bebauungsstruktur an der Ausfallstraße ohne erkennbaren Maßstab funktioniert analog zu den übrigen Agglomerationen Münchens. Die Grundstücke auf denen wir entwerfen werden reihen sich dort entlang der Rosenheimer Landstraße - von uns liebevoll als „Strip“ bezeichnet - aneinander.

In dieser Unschärfe, zwischen Tankstellen, Hotels, Supermärkten und Wohnhäusern sehen wir in diesem Semester unsere Chance. Nachdem es in München eh nichts mehr zu holen gibt, besteht in diesen Schwellenräumen zwischen Stadt und Land noch die Möglichkeit einer Verdichtung, die mit architektonischen Mitteln operiert. Generationenfolge und Sanierungsstau führen bereits zur Transformation einzelner Grundstücke in bester Lage am Strip… über die Qualität der neu erstellten Häuser lässt sich freilich streiten.

Wir wollen es besser machen und glauben an die Möglichkeit einer positiven architektonischen Manipulation, die wir mit unseren Projekten leisten können. Wir wollen gemeinsam Wohnhäuser entwerfen, die über Ihren Beziehungsreichtum, Ihre Systeme und Ihre Konfiguration vielschichtige Antworten bieten, nicht nur unter generischen Gesichtspunkten, die die Typologie des Wohnens betreffen, sondern auch in spezifischeren Betrachtungen wie zum Beispiel den Schwellenraum zwischen Straße und Haus.

Rückhalt beim Entwerfen erhalten wir über Texte von Peter Eisenman, Robert Venturi oder Colin Rowe, in denen eine eigene Qualifikation und Wertung architektonischer Beziehungssysteme in den 1960er Jahren entwickelt wurde. Wir werden aus diesen Theorien Übungen ableiten, die uns im Prozess des Entwurfes unterstützen werden. 

Denn – und das ist sehr wichtig - wir wollen an diesem Ort nicht reparieren, sondern beginnen. Klingt nach viel und ist es wahrscheinlich auch. Frei nach dem Lied der Band Bauhaus „All we ever wanted was everything“!


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